Tag 7 – Yeah, we made it! We’re the world’s greatest!
Istres – Marseille

Am Morgen schaffen wir es sogar um 8 Uhr aufzubrechen. Wir wollen schließlich möglichst früh in Marseille ankommen, um auch etwas von der Stadt zu haben. Zunächst suchen wir uns noch einen Bahnhof um uns nach den Fahrpreisen für die Bahnfahrt am nächsten Morgen zu erkundigen. Mit 45 € für diese große Entfernung sind wir sehr positiv überrascht. Anschließend geht es leicht bergauf aus Istres heraus und man hat einen wunderbaren Blick auf das Étang de Berre, ein kleines Binnenmeer, welches über einen Kanal mit dem Mittelmeer verbunden ist. Im Dunst und Gegenlicht erheben sich an den Ufern steil die Berge.

Nach einer Abfahrt kommen wir in der Stadt Martigues an. Malerisch zeigt sich uns der Hafen. Viele kleine Boote, auf der anderen Seite die bunten Häuser, die sich im Wasser spiegeln. Dazu der blaue Himmel und die Palmenallee. Während ich ein Foto mache, werde ich von schräg hinten auf Deutsch angequatscht, wo ich denn herkäme. Na, aus Hamburg. Der Herr, der mich anspricht ist vielleicht um die dreißig und kommt auch aus Hamburg. Allerdings ist er zur Zeit arbeitslos und versucht jetzt hier sein Glück. Die Welt ist klein.

Über kleine Straßen fahren wir aus der Stadt heraus und in die nun wirklich allerletzte Hügelkette vor dem Meer hinein. Unser Blick streift dabei immer wieder die Raffinerien am Wasser, deren Schornsteine wir schon weit vor dem Meer sehen können.

Durch die erneut sehr schroffe Landschaft arbeiten wir uns bis zum Pass, der allerdings nur 103 Meter hoch ist. Doch von oben ist das Meer nun endlich zu sehen! Wahnsinn! Voller Erwartungen schießen wir die Abfahrt herunter, bis wir einige Kilometer weiter endlich direkt am Wasser stehen. Hier ist es wirklich herrlich. Das türkisblaue Wasser, der blaue Himmel und die schroffen Felsen direkt am Ufer. Genauso wie man sich das Mittelmeer immer vorstellt.

Nach einigen Fotos geht es immer entlang der D5, der Küstenstraße. Diese schlängelt sich mit ständigem Blick aufs Wasser durch mehrere Touristenorte. Da hier absolut nichts los ist sind sogar diese sehr schön anzuzsehen. Keine riesigen Hotels verschandeln die Landschaft, nur kleine, rotgelbe südländische Häuser säumen zusammen mit Kakteen, Palmen und Pinien die Straßen.

Dann geht es noch einmal kräftig bergauf, wir müssen den Hügelzug wieder überqueren um nach Marseille zu kommen. Die Landschaft ist wie immer einmalig und daher sollte man, wenn man schon hier unterwegs ist die „Chaîne de l’Estaque“ auf jeden Fall mitnehmen.

Das letzte Stück ist Nationalstraße und nach einem kurzen und vor allem sehr dunklen Tunnel, in dem wir dummerweise vergessen die Sonnenbrille abzunehmen, stehen wir ein gutes Stück erhöht und haben den Blick über die gesamte Stadt von Marseille. Wow! Wir sind begeistert!

Den Rest geht es bergab und wir arbeiten uns über die großen Straßen der Stadt bis ins Touristenbüro vor um uns einen Stadtplan zu besorgen. Anschließend verschwindet Paul mal kurz in einem Kaufhaus und erscheint schon nach anderthalb Stunden wieder – während ich draußen auf die Räder aufpasse. Dafür hat er aber auch die Fahrkarten bereits gekauft. Und zwar für den TGV. Da der TGV von Marseille nach Lyon sogar Fahrräder mitnimmt, nehmen wir natürlich diesen Zug. Und der Preis bleibt sogar der gleiche von nur 45 €! Nur die Fahrräder kosten 9 € extra.

Da unser Zug erst am nächsten Tag um 6 Uhr fährt, genießen wir Marseille bei Nacht.

Während der Fahrt zum Bahnhof halten an der Ampel zwei Jugendliche auf einer Mofa neben uns. Sie fragen uns wo wir herkommen und anschließend zeigen sie uns den Weg zur Post, den ich suche um meine Postkarten noch einstecken zu können. Gerade dort angekommen schaut einer der beiden hoch zum Fenster eines Hauses und pfeift einmal laut. Die beiden im Licht betrachtet und dieser Pfiff...innerlich ist mir irgendwie unwohl. Sie fragen Paul, ob er ihnen einen 5 € Schein klein machen kann. Paul sagt, dass er kein Kleingeld habe. „Kannst du nicht an den Automaten gehen und da Geld holen“. Wir sind so überrumpelt von der Frage, dass uns gar nicht sofort auffällt, dass es am Automaten ja gar kein Kleingeld gibt. Paul verneint, da man mit seiner Karte nicht überall Geld holen kann. Die beiden wollen seine Karte sehen. Mensch Paul, denke ich, das riecht doch nach einer Falle. Ich raune ihm „Paul, lass das!“ zu; er hat es nicht gehört. Mit der „Entschuldigung“ mal eben auf den Stadtplan zu schauen verlasse ich die drei. Ich habe einfach ein komisches Gefühl bei der Sache. Und ich will für den Fall, dass die beiden gewalttätig werden mir die Möglichkeit nicht verbauen Hilfe holen zu können. Von einer Straßenecke weiter, habe ich das Geschehen im Blick. Pauls Rad fällt um, er rennt den beiden hinterher. Zu spät. Längst sind sie auf ihrer Mofa weit weg. Manchmal sollte man auf seine Intuition einfach hören...Welch ein Glück aber, dass niemand mehr durch den Pfiff aus dem Haus gekommen ist. Dann wären wirklich alle unsere Sachen verloren gewesen.

Zum Glück war nur Kleingeld im Portemonnaie und so begeben wir uns verärgert zum Bahnhof um dort die Nacht zu verbringen.


Ausgaben:
45,00 € Bahnfahrt nach Mulhouse
7,59 € Diafilm Kodak
2,04 € Essen und Trinken
4,00 € Essen
6,00 € Postkarten & Briefmarken

Hafen von Martigues Kleine Palmenallee Geschafft! Endlich am Meer!!
Nach der Kurve kommt Marseille zum Vorschein Marseille bei Nacht Burg bei Nacht